Lehrstellenboerse.ch – manche sind einfach zu bescheiden!

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Da gibt es Seiten im Netz, die protzen, sie recken stolz die Brust, erschlagen einen mit ihrer Präsenz, doch letztlich steckt nichts dahinter, was die Betrachtung lohnt. Und da gibt es andere, die wirken irgendwie zu klein für das, was sie bieten, geradezu verschüchtert irgendwie, und man denkt: Hey, etwas mehr Selbstbewusstsein bitte, es würde dir gut tun! Die Internetplattform www.lehrstellenboerse.ch gehört eindeutig zur letzten Kategorie. Die Buchstaben erscheinen winzig, der eigentliche Inhalt wird eingekeilt von Werbung, die sicherlich zur Finanzierung beiträgt und deshalb gut ist, allerdings viel zu dominant wirkt. Die Idee von Lehrstellenboerse.ch ist gut bis sehr gut. Deshalb würde ihr etwas mehr Grösse auf der eigenen Webseite auch nicht schlecht stehen.

Was genau ist Lehrstellenboerse.ch?
Die Lehrstellenboerse.ch ist ein Angebot, das Unternehmen und Lehrstellenbewerber im Internet zusammenbringt. Entstanden ist es aus der Initiative eines gemeinnützigen, konfessionell und politisch neutralen Vereins, der von Studenten der HSG im Jahr 2003 eigens für das Projekt und die Lehrstellenvermittlung in der Schweiz gegründet wurde. Neben den beiden Gründungsmitgliedern Adrian Locher und Philippe Willi ist auch Markus Gander, Geschäftsführer von INFOKLICK.CH – Kinder- und Jugendförderung Schweiz, Mitglied des Vereinsvorstands. Lehrstellenboerse.ch arbeitet mit mehreren Zeitungen der Schweiz zusammen: etwa mit dem St. Galler Tagblatt, der Jungfrau Zeitung und dem TAXI-Magazin. Parallelprojekt zur Lehrstellenboerse.ch ist die Praktikaboerse.ch. Was etwas schade ist, dass auf der Internetseite kein Menüpunkt „Wir über uns“ existiert, durch den man all diese Dinge erfahren kann. Sicherlich sind derartige Informationen nicht das Wichtigste an einer Lehrstellenboerse, aber diejenigen, die dann doch gern genauer wüssten, wer sich hinter dem Projekt verbirgt, sollten mit passender Auskunft bedient werden.

Die Begrüssung – Einstiegsseite von www.lehrstellenboerse.ch
Er sagte kurz „tach“, um sich vorzustellen, dann begann er, mit leiser, fast flüsternder Stimme aufzuzählen, was er so macht, man musste sich anstrengen, um alles zu verstehen. So ungefähr lässt sich der Einstieg in die Website beschreiben. Er befindet sich im mittleren Bereich der Internetseite, umrahmt vom Menü auf der linken und den Kurzbeschreibungen der News auf der rechten Seite. Der Einstiegstext ist sehr kurz gehalten, vielleicht, um mehr Platz zu lassen für die nachfolgenden Links zu den einzelnen Angeboten für Unternehmer und Lehrstellensuchende? Nun, Kürze ist nicht immer verkehrt, aber in diesem Fall fühlt man sich doch irgendwie zu schnell ins gute Angebot geschubst. Einen etwas umfangreicheren Einstiegstext, der allgemeine Fragen beantwortet wie „Was will das Projekt?“, „Wer organisiert das Projekt?“ hätte ich mir gewünscht. Dahinter vielleicht erst einmal nur zwei Links: „Was bietet diese Lehrstellenboerse für… Lehrstellensucher?“ und „Was bietet diese Lehrstellenboerse für… Lehrstellenanbieter?“ Auf den jeweils folgenden Seiten könnte der Zielgruppe dann anschaulich und kurz erklärt werden, welche Möglichkeiten sie auf der Plattform hat, wobei weitere Links sofort zum Angebot führen. Für Lehrstellensucher würde man etwa kurz über die Registrierung informieren, über die Lehrstellensuche, den Newsletter und die Berufe des Monats.

Das Menü…
ist so etwas wie eine Speisekarte in einem Restaurant. Solch eine Karte sollte bestenfalls die Speisen präsentieren, die einem schmecken, und man sollte zumindest eine Ahnung bekommen können, was sich hinter den einzelnen Bezeichnungen für Speisen verbirgt. Beim Menü einer Internetseite ist das ähnlich. Es ist benutzerfreundlich, wenn ich sofort weiss, welcher Menüpunkt mir wofür dienen könnte und wenn Menüpunkte für zumindest fast jedes Anliegen existieren, das mich auf die Seite treibt. Ein Menüpunkt „Lehrstelle/Praktikum finden“ ist da deutlicher als ein Menüpunkt „Angebot“. Unter solch einen Menüpunkt könnte man ein Angebot wie den Newsletter oder den „Beruf des Monats“ als Unterpunkt bringen. Ein Menüpunkt „Lehrstellen/Praktika anbieten“ gehört aus unserer Sicht auch ins Hauptmenü, weil er ein wichtiges Angebot der Seite repräsentiert. Und dass man Unterstützer ehren sollte, ist selbstverständlich; bei Lehrstellenboerse.ch nimmt diese Ehrung jedoch gleich drei Menüpunkte ein (Sponsoren, Partner, Komitee). Hier täte es wohl auch ein Menüpunkt „Unterstützer“ mit mehreren Unterpunkten. „Wir über uns“ sollte — wie bereits beschrieben — ein weiterer Menüpunkt für das Hauptmenü werden.

News
Auf der rechten Seite der Lehrstellenboersse.ch findet man Zugang zum Blog der Seite und News über den Lehrstellenmarkt in der Schweiz. Das ist gut, allerdings nehmen die Teaser, die kurzen informativen Einstiegstexte, die zum Lesen eines vollständigen Newsartikels animieren sollen, etwas zuviel Raum ein. Hier wären aus unserer Sicht kürzere Einstiege angesagt; ein, zwei Sätze, die Neugier wecken.

Attraktiv darstellen, was gern übersehen wird
„Beruf des Monats“ ist eine ganz besondere Rubrik, die in das Angebot von Lehrstellenboerse.ch integriert werden soll. Nicht jedes Unternehmen, das Auszubildende sucht, braucht nur eine winzige Anzeige irgendwo zu platzieren, schon erstickt die Personalabteilung unter einem Berg von Bewerbungen. Es gibt Lehrstellen und Praktika, die gehen unter in den vielen Stellenausschreibungen. Aus diesem Grund gibt Lehrstellenboerse.ch Unternehmen die Möglichkeit, sich und ausgeschriebene Lehrstellen exponiert als „Beruf des Monats“ vorzustellen. Verfolgt man diesen Ansatz weiter, so könnte auch eine Rubrik „Gute Chance“ von Vorteil sein, in der Unternehmen nur Lehrstellen anbieten, für die sie bereits länger passende Bewerber suchen. Unternehmen profitieren darüber hinaus von ihrem eigenen Account auf Lehrstellenboerse.ch, in dem sie sich selbst profilieren und die eigenen Anzeigen verwalten können. Und auch der crossmediale Ansatz von Lehrstellenboerse.ch bietet ihnen Vorteile: Lehrstellenangebote, die auf Lehrstellenboerse.ch veröffentlicht werden, werden zukünftig auch in einige Zeitungen der Schweiz aufgenommen.

Lehrstellensuchende – Vom Suchen und Finden…
Das Ziel der Lehrstellenboerse.ch anhand der Internetadresse zu ermitteln, ist nicht sehr schwierig: so muss eine gute URL sein. Die in die Webseite integrierte Datenbank kann anhand verschiedenster Kriterien nach passenden Lehrstellen durchsucht werden. Die im Vordergrund stehende Suchmöglichkeit bietet vier aufeinander folgende Auswahlpunkte:

• Stellentyp
(Lehrstelle oder Praktikum)

• Branche
(z.B. Elektroberufe, Ernährungsberufe…)

• Beruf
(z.B. Elektroniker/in, Netzelektriker/in…)

• Region
(z.B. Bern, Zug…)

Als Punkt FÜNF dieser Entscheidungsabfolge, die durch nacheinander rot werdende Punkte auf einem Strahl gut visualisiert wird, werden die Ergebnisse der Suche aufgeführt. Ein durchaus guter geführter Weg durch das Lehrstellenangebot, der aber nicht für alle Suchenden gleichsam taugt. Wer sich etwa noch nicht genau festlegen möchte, in welcher Branche er seine Lehre absolvieren möchte, für den taugt die Abfolge, in der Lehrstellen hier gefiltert werden, eher wenig. Dafür existieren andere Rubriken, in denen die vorhandenen Lehrstellen — nach anderen Kriterien sortiert — dargestellt werden: etwa sortiert nach Regionen. Die Links zu diesen Rubriken sind allerdings ebenfalls… irgendwie winzig, sodass man sie erst auf den zweiten Blick erkennt. Auch hier gilt: mehr Grösse zeigen ist angesagt. Ein grosser Knackpunkt bei vielen Job-, Stellen- und Lehrstellenbörsen ist die Aktualität der Anzeigen: Was nützt die beste Lehrstellenanzeige, wenn die ausgeschriebene Stelle seit Monaten vergeben ist? Lehrstellenboerse.ch vertraut den Stellenanbietern, dass sie die entsprechenden Anzeigen rechtzeitig entfernen, um die Aktualität der Lehrstellen- und Praktikaangebote zu gewährleisten. Die Frage bleibt, ob dieser Ansatz nicht etwas zu vertrauensselig ist? Das ist eine Frage, keine Aussage! Vielleicht wäre es besser, wenn jedes Unternehmen, das eine Anzeige zur Suche nach Auszubildenden aufgibt, eine Gültigkeitsfrist setzen müsste (gültig bis…). Ist die Frist abgelaufen, so wird die Anzeige automatisch entfernt, es sei denn, sie wird zuvor vom Unternehmen verlängert.

…und vom Präsentieren!
Die Plattform „Lehrstellenboerse.ch“ befindet sich gerade im Umbruch, schon bald wird es auch möglich sein, dass Lehrstellen- und Praktikasuchende auch sich selbst auf der Seite präsentieren, um nicht zu suchen, sondern gefunden zu werden. Der Ansatz ist gut, er steigert die Möglichkeit für Bewerber, irgendwann eine passende Ausbildung zu beginnen. Die Betreiber von Lehrstellenboerse.ch setzen sich darüber hinaus zum Ziel, auch beratend tätig zu sein, wenn Lehrstellensuchende individuelle Unterstützung brauchen. Inwieweit dieser Ansatz tatsächlich verfolgt und realisiert wird, können wir nur mit Blick auf die Webseite nicht beurteilen: wünschenswert wäre eine Umsetzung in jedem Fall.

Fazit
Lehrstellenboerse.ch – ein grosses und durchaus auch grossartiges Projekt, das sich mit zu kleiner Schrift zu bescheiden präsentiert. Während man bei anderen Projektleitern vielleicht das Gefühl hat, Gigantomanie bremsen zu müssen, ist es hier umgekehrt: Etwas lauter könnte der Löwe schon brüllen! Aber auch, wenn wir vieles noch für verbesserungswürdig halten: Wir wünschen dem Projekt all den Erfolg, den es verdient. Und es verdient eine Menge Erfolg!

3 Kommentare zu „Lehrstellenboerse.ch – manche sind einfach zu bescheiden!“

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